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Verbreitung und Überlebensfähigkeit von eingeführten Pazifischen Austern Crassostrea gigas im Sylter Wattenmeer

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Diederich, S. (2000): Verbreitung und Überlebensfähigkeit von eingeführten Pazifischen Austern Crassostrea gigas im Sylter Wattenmeer , Diplom thesis, Universität Göttingen.
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Weltweit werden in zunehmendem Maße marine Organismen absichtlich oder unabsichtlich durch die Aktivitäten des Menschen von Küste zu Küste verschleppt. Treffen diese Exoten im neuen Habitat auf günstige Umweltbedingungen, so können sie sich etablieren und einen Einfluß auf die heimische Lebensgemeinschaft ausüben. Im Sylter Wattenmeer wird seit 1986 die aus Japan stammende Pazifische Auster Crassostrea gigas kultiviert. Sie hat sich durch erfolgreiche Brutfälle seit 1991 auch außerhalb der Kulturflächen auf eulitoralen Miesmuschelbänken (Mytilus edulis) ausgebreitet. In der vorliegenden Arbeit wurde der Frage nachgegangen, ob sich die Pazifische Auster im Sylter Wattenmeer dauerhaft etablieren und in ihrem Bestand weiter zunehmen kann. Mögliche Konsequenzen, die sich aus einer weiteren Bestandszunahme auf die heimische Lebensgemeinschaft ergeben, werden diskutiert.Eine quantitative Untersuchung auf 12 eulitoralen Miesmuschelbänken in den Wattgebieten von Sylt und Rømø im Sommer 1999 ergab eine mittlere Abundanz von 3,6 Austern / m², wobei auf einzelnen Bänken bis zu 12,1 Austern / m² und stellenweise bis zu 20 Austern / m² vorkamen. Auf einer mehrschichtigen Muschelbank befanden sich durchschnittlich 39 % der Austern unterhalb der Miesmuscheln und waren von oben nicht sichtbar. Dies könnte zu einer Unterschätzung der Austernabundanz auf einigen Muschelbänken geführt haben. Im Sublitoral wurden nur vereinzelt Austern gefunden. Innerhalb der eulitoralen Bänke war die Abundanz unter der Braunalge Fucus vesiculosus im Mittel um 59 % geringer als auf Fucus-freien Muschelbankflächen. Bei Vergleich mit einer Kartierung aus dem Jahre 1995 (REISE 1998) konnte keine signifikante Veränderung in den Abundanzen festgestellt werden. Allerdings hat die Maximaldichte von 8,2 Austern / m² im Jahre 1995 auf 12,1 Austern / m² im Sommer 1999 zugenommen. Damit sich die Ergebnisse künftiger Untersuchungen exakt vergleichen lassen, wird ein standardisiertes Kartierungsverfahren für Austern auf Miesmuschelbänken vorgeschlagen. Das Geschlecht der Austern hängt von ihrem Alter ab. Während die einjährigen Austern überwiegend männlich waren (77,5 %), dominierten bei den älteren die Weibchen (62 %). Die Analyse von Längenhäufigkeitsverteilungen der Austern auf den Muschelbänken ergab, daß 1998 ein starker Bruterfolg stattgefunden hat, denn im Sommer 1999 gehörten im Mittel 66 % der Austern diesem Jahrgang an. Die einjährigen Austern waren im Mai etwa 40 60 mm lang und sind bis Oktober etwa 20 - 30 mm gewachsen. Die Austern aus dem Brutfall vom Sommer 1999 hatten Mitte Oktober eine durchschnittliche Schalenlänge von 24 mm.In Freilandexperimenten wurde der Einfluß von Fucus-Bedeckung, von verschiedenen Sedimenttypen und von der Emersionszeit auf das Wachstum der Austern untersucht. Dabei war das Wachstum der Austern (I) unter Fucus besser als ohne Fucus-Bedeckung, (II) im Schlickwatt besser als im Sandwatt und (III) unabhängig von der Gezeitenhöhe im mittleren und unteren Eulitoral und oberen Sublitoral.Crassostrea gigas siedelt sich bevorzugt auf Miesmuschelschalen an. Wenn die Muschelschale mit Seepocken bewachsen ist, dann zementiert sich Crassostrea auch auf diesen fest. Da sich Miesmuscheln untereinander mit ihren Byssusfäden verspinnen, wird die Auster über ihren Basibionten an der Oberfläche der Muschelbank festgehalten. Das schnelle Wachstum und die Größe der Austern führt jedoch dazu, daß die Miesmuscheln bzw. die Seepocken überwachsen werden und absterben. Ist der Basibiont gestorben, so wird die Auster nicht mehr auf der Muschelbank festgehalten und kann verdriftet werden, oder aber andere Miesmuscheln wandern über die Austern und drängen diese in tiefere Schichten der Muschelbank ab. In Aquarienexperimenten konnte gezeigt werden, daß die mit ihren Byssusfäden beweglichen Miesmuscheln über die Austern wandern und diese innerhalb weniger Tage nach unten drängen. Da sich im Freiland vor allem große und damit alte Austern unter den Miesmuscheln befinden, scheint ihnen eine Überlagerung mit Miesmuscheln offenbar nicht zu schaden. Möglicherweise sind die Austern so vor Räubern und physikalischen Beeinträchtigungen, wie Trockenheit, Sturm und Eisgang, geschützt.Prädatoren können eine wichtige Rolle bei der Frage spielen, ob sich eine Art in einem neuen Habitat etablieren kann. In Fraßexperimenten konnte festgestellt werden, daß wichtige Räuber im Wattenmeer, die Strandkrabbe Carcinus maenas und der Seestern Asterias rubens, die heimischen Miesmuscheln den Austern vorziehen. Die Präferenz für Miesmuscheln stellt für die Austern auf den Muschelbänken einen relativen Schutz dar. Bei den Fraßversuchen konnte beobachtet werden, daß Carcinus kleine Austern schlechter öffnen kann als kleine Miesmuscheln. Während Miesmuscheln unter 3 cm Schalenlänge einfach mit den Scheren zerdrückt wurden, öffnete Carcinus kleine Austern meistens, indem er mit den Scherenspitzen ein Loch in die untere Schalenhälfte bohrte.Es ist zu erwarten, daß die Pazifische Auster ein fester Bestandteil der benthischen Lebensgemeinschaft im Wattenmeer bleibt und sich weiter entlang der Küste ausbreiten wird. Sie wird die heimische Miesmuschel vermutlich nicht verdrängen können. Da sich Miesmuscheln und Austern hinsichtlich ihrer ökologischen Eigenschaften unterscheiden, könnte es zu einer Aufteilung der räumlichen Nischen kommen, so daß in einigen Gebieten Crassostrea und in anderen Mytilus dominieren wird.Insgesamt ist es durch die Etablierung von C. gigas zu einer Erhöhung der Biodiversität gekommen, da bisher keine heimischen Organismen verdrängt wurden, sondern vielmehr eine Addition einer neuen Art stattgefunden hat.

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