Energetische Unterversorgung von Idotea emarginata (Crustacea, Isopoda) bei hohen Temperaturen
ORCID: https://orcid.org/0000-0002-9017-0083, Kellermann, Ricarda, Wang, Hsun-Yi and Lannig, Gisela
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Innerhalb eines Organismus konkurrieren unterschiedliche somatische Prozesse um Energie, wobei der Erhaltungsmetabolismus höchste Priorität hat, um das Überleben zu sichern. In wechselwarmen Tieren werden Stoffwechselraten maßgeblich über die Umgebungstemperatur gesteuert. Mit steigenden Temperaturen muss also ein erhöhter Erhaltungsmetabolismus durch eine verstärkte Aufnahme und Mobilisierung energiereicher Nahrungsmoleküle und eine entsprechende Allokation assimilierter Energie gedeckt werden. Der marine Isopode Idotea emarginata lebt in flachen Küstengewässern des gemäßigten Nordatlantiks. In Laborexperimenten wurden Individuen dieser Art unterschiedlichen konstanten Temperaturen zwischen 5°C und 25°C ausgesetzt. Nach einer Akklimatisation von drei Tagen wurden Respiration, Nahrungsaufnahme und Bewegungsaktivität der Tiere ermittelt. Die Respirationsrate der Asseln stieg mit der Temperatur kontinuierlich an. Die Bewegungsaktivität und die Nahrungsaufnahme stiegen zunächst ebenfalls mit der Temperatur an, fielen aber oberhalb von 20°C deutlich ab. Mit Hilfe des respiratorischen Quotienten wurde die Menge an Kohlenstoff ermittelt, die für die Aufrechterhaltung der Respiration benötigt wird. Die Nahrungsaufnahme deckte den Kohlenstoffbedarf der Respiration bis zu einer Temperatur von 20°C ab. Bei 25°C unterschritt die Kohlenstoffversorgung aus der Nahrungsaufnahme den für die Respiration erforderlichen Kohlenstoffbedarf. In der Folge wiesen die Tiere bei 25°C einen verminderten Gehalt an Lipiden und Glykogen auf. Die Ergebnisse zeigen, dass I. emarginata oberhalb ihrer Optimaltemperatur somatische Prozesse zugunsten des erhöhten Erhaltungsmetabolismus einschränkt. Auch die Nahrungsaufnahme, die eigentlich der Energieversorgung dient, ist energetisch aufwendig und wird bei hoher Temperatur entsprechend red uziert. Als Folge entsteht eine energetische Unterversorgung, die nur durch die Mobilisierung körpereigener Kohlenstoffspeicher gedeckt werden kann. Die Ergebnisse dieser Studie können helfen, die Folgen mariner Hitzewellen abzuschätzen.
ORCID: https://orcid.org/0000-0002-9017-0083, Kellermann, Ricarda, Wang, Hsun-Yi and Lannig, Gisela
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